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5.0 out of 5 stars Ein atemberaubendes, lange überfälliges Buch, 21 Sep 2000
By A Customer
This review is from: Deutschland frisst seine Kinder: Familien heute: ausgebeutet - ausgebrannt (Rororo Sachbuch) (Paperback)
Als ein Insider der Verlagsbranche höre ich von manchen Lektoraten immer wieder dieselbe Klage: Nach dem Ende der Ideologien gebe es keine großen kontroversen Themen mehr, über die man sich noch die Köpfe heiß reden könne, keine wirklich neuen Erkenntnisse, keine gesellschaftlichen Tabus und Schweigegebote, die noch gebrochen werden müssen. Karin Jäckel beweist in ihrem neuen Buch, dass diese verbotenen Territorien durchaus noch existieren. Nur eben weil kaum jemand darüber spricht, bemerken die meisten nichts davon.
Schon in ihren bisherigen Büchern hat Karin Jäckel als schreibende Einzelkämpferin heiße Eisen angepackt, an die sich kein anderer herantraute: etwa sexueller Missbrauch durch weibliche Täter oder die organisierte psychische und finanzielle Vernichtung von Scheidungsvätern. Das große Thema von Karin Jäckels neuem Werk „Deutschland frisst seine Kinder" ist die gescheiterte Familienpolitik hierzulande, die der Autorin zufolge in erster Linie die Frauenbewegung und ihre Trittbrettfahrer zu verantworten haben. Leider scheint jede Auseinandersetzung mit dem Feminismus heutzutage geradezu einen Angriff auf eine heilige Kuh zu bedeuten. Vor allem in Medien und Verlagen ist vielen offenbar nicht einmal ansatzweise klar, dass es sich auch dabei keineswegs um eine ewige, von keinem anständigen Menschen hinterfragbare Wahrheit handelt, sondern lediglich um eine Weltanschauung unter anderen. Nur dadurch, dass es den Vertreterinnen dieser Ideologie gelang, jede Kritik an ihr als reaktionär und frauenverachtend darzustellen, konnten sie dafür sorgen, dass all ihre wunden Punkte übersehen wurden - bis jetzt.
Es tut sich etwas auf dem deutschen Buchmarkt. Eine neue Welle der Aufklärung beginnt gegen die Diktatur in unseren Köpfen anzubranden. Neben AutorInnen wie Matthias Matussek, Paul-Hermann Gruner oder Katharina Rutschky wagt auch Karin Jäckel einige unangenehme Fragen zu stellen: Wenn für Feministinnen die Freiheit der Selbstbestimmung für jede Frau so wichtig ist, warum werden dann Hausfrauen und Mütter von ihnen demagogisch gebrandmarkt und vom Gesetzgeber benachteiligt? Wie kann das Bundesfrauenministerium millionenschwere Kampagnen gegen „Männergewalt" in der Partnerschaft verantworten, wenn ihren eigenen ebenso wie über hundert anderen internationalen Studien zufolge häusliche Gewalt von beiden Geschlechtern im gleichen Ausmaß ausgeht? Wie lässt es sich rechtfertigen, dass immer absurdere Programme zur „Gleichstellung" der Frau in Ausbildung und Beruf ins Leben gerufen werden, während das weibliche Geschlecht das männliche längst hinter sich gelassen hat, was Schulabschlüsse, Studien- und Arbeitsplätze angeht? Gekonnt knackt Karin Jäckel in ihrem Buch etliche heute noch in den Medien populäre Irrtümer - so etwa die Legende, dass karrierewillige Frauen durch Männerklüngel oder sexistische Strukturen am beruflichen Aufstieg gehindert würden. Und sie weist nach, dass dadurch, dass Politik und Medien bei diesem Thema die Auseinandersetzung mit der feministischen Lobby scheuen, Keimzelle und Zukunft unseres Staates zu den ersten Opfern gehören: unsere Familien und damit unsere Kinder.
Wie sehr Karin Jäckel an einem Tabu rührt, wird klar, wenn sie von den Reaktionen auf ihre Bücher berichtet: Man droht ihr Mord, Entführung und Brandschatzung an, Buchhändlerinnen boykottieren ihre Werke oder erklären auf Nachfrage fälschlich, sie seien vergriffen. Verlagslektorinnen lassen Manuskripte untergehen und Verträge platzen. All dies würde sich höchst abenteuerlich anhören, wenn man ähnliche Erlebnisse nicht vielfach von anderen AutorInnen gehört hätte, die sich Feminismuskritik zu ihrer Aufgabe gemacht haben. Man kann sich nur wünschen, dass hierzulande möglichst bald dieselbe geistige Freiheit zu verspüren ist, wie sie in anderen Ländern längst zu Hause ist. (In England etwa werden Beiträge über von ihren Ehefrauen verprügelte Männern von der BBC zur Hauptsendezeit ausgestrahlt, und in der Berichterstattung über Sexualstraftäter ist demonstrativ von „he or she" die Rede.) Wenn es endlich einmal auch bei uns eine freie und ungefährliche Auseinandersetzung in der Geschlechterdebatte möglich ist, dann wird das in erster Linie tapferen AutorInnen wie Karin Jäckel zu verdanken sein, die sich als Einzelne mutig einem tosenden Strom von neosexistischer Fehlinformation und Meinungsmache entgegengestellt haben. Spannender, aufwühlender und zugleich moralisch integrer kann ein Sachbuch kaum sein.
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Deutschland frisst seine Kinder: Familien heute: ausgebeutet - ausgebrannt (Rororo Sachbuch)
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